In den USA in der Mitte der 80er grassiert AIDS. Weil Louis den körperlichen Zerfall seines Freundes nicht ertragen kann, führt das zu Problemen in der Beziehung mit seinem Geliebten Prior. Er findet Zuflucht beim Anwalt Joe Pitt, der zwar mit seiner Frau Harper in strenger mormonischer Ehe lebt, aber mit Louis seine unterdrückte Homosexualität entdeckt. Der Anwalt Roy Cohn, machtbesessener Drahtzieher der New Yorker Republikaner und Joes Arbeitgeber, lässt sich von seinem Hausarzt lieber Leberkrebs diagnostizieren, als einzugestehen, dass er AIDS hat. Über allem schwebt ein Engel, eine Vision von Prior im Todeskampf.
Tony Kushner verwebt diese drei scheinbar losen Handlungsstränge mit faszinierender psychologischer Präzision. Mit schwarzem Humor und Tiefgang zeichnet er ein Sittengemälde der USA und rechnet mit religiösem Fanatismus, der aufkommenden AIDS-Hysterie, Diskriminierungen verschiedenster Arten ab.
„Engel in Amerika“ zeigt die immer noch aktuelle schmerzliche Ausgrenzung all derer, die durch ihre religiöse oder sexuelle Orientierung, Abstammung oder gar politische Haltung nicht dem Zeitgeist entsprechen, der sich unwidersprochen in all unseren Lebensbereichen eingenistet hat. Es ist eine schonungslose Darstellung gesellschaftlicher Themen die auch heute noch keinesfalls an Bedeutung verloren haben: AIDS, Homosexualität, politische Korruption, Coming Out im Alter und Alltagsrassismus.
Während heutzutage ein gutes und erfüllendes Leben mit AIDS möglich ist, hinkt der gesellschaftliche Umgang mit der Krankheit hinterher. AIDS ist für viele Leute irrelevant, solange sie nichts damit zu tun haben müssen. Im besten Fall werden AIDS-kranke Personen toleriert und akzeptiert, doch sie werden trotzdem im Alltag stets von einem bestimmten Stigma begleitet, denn sie sind immer noch „infiziert“ und man möchte sich nicht „anstecken“. Dieses Stück ist ein Versuch das Thema AIDS wieder stärker ins Rampenlicht zu rücken. Ebenfalls immer noch brandaktuell: gelebte Homosexualität. Ist der Kampf um ihre Rechte wirklich schon gewonnen? Das Stück gibt Einblicke in alltägliche Anfeindungen, die Homosexuelle Personen auch heute noch erleben müssen. Und ebenso zeigt „Engel in Amerika“, dass trotz der gestiegenen gesellschaftlichen Akzeptanz das Coming Out, vorallem im Alter, keineswegs einfach ist. Die Auswirkungen politischer Korruption werden ebenfalls angeschnitten – die ausgeübte Macht um den eigenen Mehrwert zu erhöhen und das eigene Klientel in vorteilhaften Positionen zu haben.
„Engel in Amerika“ erzählt aber auch von Hoffnung, Aufbruch und zwischenmenschlicher Wärme. Das Leben mit all seiner Liebe, seiner Trauer, seinem Schmerz und seinen unergründlichen Schicksalsschlägen wird angenommen, weil es sich dennoch lohnt – und weil es Menschen gibt die sich beistehen.
Aufführungsrechte bei Tony Kushner (Originalrechte), Frank Heibert (Übersetzung) vertreten durch Deutscher Theaterverlag GmbH (www.dtver.de)












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